Uwe Ruprecht. Anmerkungen

 

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Projekt Orwell in den Medien, Fortsetzung

Journalistische Sorgfaltspflicht? Auf welchem Stern leben Sie? Für einen Artikel in der, sagen wir: junge welt, bekommt der Autor zwanzig oder dreißig Euro Honorar. Glauben Sie etwa, dafür fährt er von Hamburg, wo er als freier Autor lebt, nach Stade und recherchiert?
Er wertet vielmehr vorhandene Artikel aus, klaubt sich zusammen, was ihm passend erscheint und führt, bestenfalls, ein oder zwei Telefonate.
Das soll kein Vorwurf an den Autor sein, der die Bedingungen, unter denen Zeitungsartikel entstehen, schließlich nicht diktiert. Es kommt schließlich auch nicht darauf an, ob der Artikel irgendeine Wahrheit enthält.
So steht in der junge welt über das „Projekt Orwell“ im Altländer Viertel, die flächendeckende Videoüberwachung des Ghettos von Stade, unter anderen, diese „hatten die Wohnungseigentümer unlängst beschlossen“. Abgesehen von dem, was zum Anteil der Wohnungseigentümer zu sagen wäre, ist „unlängst“ gelogen.
Nicht, dass der Autor des Artikels darum nicht hätte wissen können. Zumindest hätte er mit einer simplen Suchmaschinenanfrage herausgefunden, dass bereits im Januar über die Verwirklichung dessen, was „unlängst“ beschlossen worden war, berichtet wurde.
Ähnlich sonderbar ist die Zeitauffassung des Autors im Zusammenhang mit dem Chipkarten-System für die Müllentsorgung im Altländer Viertel, die er en passant erwähnt und dabei einen Namen fallen lässt, den er falsch schreibt: „Damit lasse sich jetzt exakt nachprüfen, wer um welche Uhrzeit Müll eingeworfen habe.“ „Jetzt“ suggeriert, dass dies System frisch sei. Aber auch damit muss man im Altländer Viertel schon länger leben, seit etwa zwei Jahren.
Zeitungen haben Neuigkeiten zu berichten, und auch wenn das „Projekt Orwell“ und was damit zusammenhängt, tatsächlich nicht neu ist, sondern nur gerade jetzt von den Medien entdeckt wurde, simulieren sie die Frische ihrer Information. Um seinen Artikel zu verkaufen, hat der Autor übertrieben getrickst. Ein „unlängst“ oder „jetzt“ hätte gereicht.
Aber es merkt ja keiner. Es sei immerhin denen gesagt, die mit junge welt unterm Arm als Ausweis für ihre höhere Gesinnung herumlaufen. Die Kommunisten kochen auch nur mit Wasser.

9.12.07 07:15
 



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