Uwe Ruprecht. Anmerkungen

 

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Grube aus Worten

Ich bin schlicht erschrocken, als ich den Artikel las. Ich will hier nicht wiederholen, was ich da lesen musste, in einer Zeitung, im Internet, unkommentiert. Nur soviel: junge Menschen sprechen sich dafür aus, gegen Mörder und „Schänder“ die Todesstrafe zu verhängen. So steht es da: „Schänder“. Eine gewisse Partei sagt dasselbe, meint jedoch nicht Vergewaltiger sondern „Kinderschänder“.
Natürlich hat mich nicht erschrocken, dass es so etwas gibt. Dass tumber Trieb mit den immergleichen hohlen Argumenten den Stand der europäischen Zivilisation in Frage stellt. So sind die Menschen halt.
Erschrocken hat mich auch nicht, dass es Schüler sind, die die Stimmung erkundet und dokumentiert haben.
Wo aber hielten sich Lehrer und Redakteure versteckt, die gleichwohl geholfen haben, diese Güllegrube aus Worten in die Welt zu setzen?
Willkürliche Umfragen als Volkes Stimme auszugeben, ist heikel genug. Eingedenk dieser Bedingtheit das Votum nackt darzubieten, ist auch eine Aussage. Offenbar sind Lehrer und Redakteure nicht erschrocken.
Bei solcher Befeuerung aus der geistigen Unterschicht muss nicht wundern, wenn die Stimmung güllemäßig ist. Zur Illustration des Artikels hätte ich ein Flugblatt gewählt, das eine gewisse Partei dieser Tage in denselben Gassen verteilt hat, in denen die Umfrage stattfand: „Für Drogenhandel, Mord und Kinderschändung ist die Todesstrafe einzuführen. ... Nur diese Maßnahmen sichern Recht und Ordnung in Deutschland.“
Und nein, auf die vermeintliche Eigenverantwortung der Schüler können sich Lehrer und Redakteure nicht herausreden. Ihre eigene Verantwortung hätte gerade darin bestanden, es nicht einfach nur geschehen zu lassen.
Über den „sonderbaren Antifaschismus“ der Zeitung hatte sich am Morgen schon jemand ausgelassen, der etwas davon versteht. Am Abend also dieser Beleg für eine verkrüppelte Haltung. Und demnächst an selber Stelle im Blatt die gerechte Empörung über den „braunen Sumpf“.
Wer lacht dahinten? Raustreten! Und jetzt 1.933 Mal aufsagen: „Filbinger war ein Widerstandskämpfer“. Und Lübke und Oberländer, und Kiesinger und Carstens auch. Was ist mit Strauß? War der nicht schon im Kaiserreich in der Opposition? Derweil in einem Stall zu Füßen des Palastes der Lügen reiten die lebenden Leichen von der Linkspartei immer linksherum im Kreis. [© Uwe Ruprecht]
14.4.07 18:22
 



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