Uwe Ruprecht. Anmerkungen

 

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Da ist der Wurm drin



Von wegen, Festplatte formatieren ist die ultimative Lösung bei Virenbefall oder wenn ein Trojaner durch die virtuellen Tore geschoben worden ist. Damit fängt der Spaß erst an.
Nachdem M. und ich an zwei Tagen mehrere Stunden auf Windows-Startbildschirme und MS-DOS-Eingabeaufforderungen gestarrt hatten, warf ich nur einen kurzen Blick ins Internet, um herauszufinden, wie der Scherz heißt; eine gründliche Recherche hätte weitere kostbare Zeit in Anspruch genommen. Die Diagnose ist sowieso klar: eine neue Festplatte muss her.
Jahrelang passiert nichts, aber dann – – – Irgendwo in der weiten Datenwelt hat mir ein Scherzkeks aufgelauert. Nachdem ich meinen Rechner durch eigene Dösigkeit in den DOS-Modus zurückversetzt habe, klappt der erneute Setup des Betriebssystems nicht. Ich bin bereit, mich von der Festplatte zu verabschieden. Partion hin und her, die Daten optieren hartnäckig für den Orkus.
Der Verlust hält sich in Grenzen. Gewiss zählt er nach Gigabyte, aber Vorkommnisse wie dieses sind geeignet, sich des angesammelten Schrotts bewusst zu werden und ihn zu entsorgen. Weil ich (wovon sich Leser dieses Weblogs ein Bild machen können) eine vorsichtige Natur bin und in 20 Jahren Umgang mit Computern leidgeprüft, habe ich das vorübergehend unentbehrlich Scheinende auf CD gesichert und verfüge durch die Großzügigkeit von stahlpress ohnehin über einen zweiten Rechner.
Doch mit dem Ade an die Daten ist der Fall nicht erledigt. Beim ersten Versuch will sich die Festplatte überhaupt nicht formatieren lassen. Dann weigern sich die Laufwerke, einzeln kalt gemacht zu werden. Als sie endlich formal leer zu sein scheinen, blinkt der blaue Bildschirm: Die Festplatte ist voll.
Schließlich, inzwischen sind 150 Neustarts vergangen, generiert der Rechner Verzeichnisse, die mit ASCII-Zeichen benannt sind. „Geben Sie den Dateinamen ein!“, fordert die Maschine. Bloß wie? Endlich, nach gutem Zureden, repariert ScanDisk die fehlerhaften Namen – prompt schafft irgendein Ungeheuer aus dem Datendschungel fleißig neue. Mit jedem Neustart werden es mehr.
Ob die ASCII-Zeichen für die Laufwerke und Dateien willkürlich gewählt sind oder etwas bedeuten? Der vermutlich junge Mann, der in irgendeinem abgelegenen Provinznest hockt (wie der Erfinder von „Sasser“, der in meiner Nachbarschaft seinen dunklen Träumen nachhing) und jemandem, den er sich wahrscheinlich nicht einmal genau vorstellt, weil er eigentlich die ganze Welt meint, einmal gehörig schockieren will, könnte sich immerhin bei diesen Zeichenfolgen etwas gedacht haben.
Ich spare mir die Mühe der Entzifferung. Am Ende bekäme ich wohl nur Übersetzungen wie „fuck off“ oder „reingefallen hä hä hä“ heraus. Aber kein Wort, das mir wiederum zu denken gäbe.
Ein Unbekannter hat mir ein Bein gestellt, und ich bin gestürzt. Scheiß drauf. Wer sich ins Internet begibt, kann auf vielfältige Weise darin umkommen. [© Uwe Ruprecht]

 

24.3.07 20:16
 



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